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... der Säureschutzmantel

Seit mehr als 100 Jahren wird die Funktion des Säureschutzmantels diskutiert. Zunächst stand die indirekte mikrobiologische Abwehr und die direkte Schutzwirkung vor alkalischen Noxen im Vordergrund. Diese klassischen Erkenntnisse über die Bedeutung des sauren pH-Wertes für die Haut wurden jedoch durch neuere biochemische und molekularbiologische Untersuchungen erweitert.



Neuere Forschungsergebnisse belegen, daß der saure pH-Wert der Hornschicht für die Bildung und Strukturierung der epidermalen Lipide und somit der Permeabilitätsbarriere eine essentielle Rolle spielt. Diese Untersuchungen zeigen, daß ein saures Milieu wichtig ist zur:

  • Aktivierung der Enzyme für die Synthese wichtiger epidermaler Lipide
  • Ausbildung der Doppellipidmembran
  • Normalisierung der Hornschichtbarriere nach mechanischer oder chemischer Schädigung

Vom Hydrolipidfilm zum Säureschutzmantel
Durch nähere Betrachtung der Bestandteile des Hydrolipidfilms läßt sich nachvollziehen, warum dieser Schutzfilm 1928 erstmalig von Schade und Marchionini als Säureschutzmantel bezeichnet wurde:

  • Schweiß enthält Milchsäure und verschiedene Aminosäuren
  • Talg enthält freie Fettsäuren
  • Aus dem Verhornungsprozeß stammen Aminosäuren und Pyrrolidoncarbonsäure

Der physiologische pH-Wert der gesunden Haut wird mit Mittelwerten zwischen 5,4 bis 5,9 angegeben.In diesem pH-Bereich wird die Haut von einer normalen, hauttypischen Flora besiedelt. Pathogene Keime werden an einer Ausbreitung gehindert. Im Bereich der Achselhöhlen, der Analfalte und der Genitalien liegen dagegen pH-Werte von ca. 6,5 vor (physiologische Lücke).

Wichtiger Schutzmechanismus: Das Alkalineutralisationsvermögen

Durch einen Anstieg des pH-Wertes in den alkalischen Bereich – zum Beispiel durch häufige Benutzung von Seifen – wird das physiologische Gleichgewicht der Haut gestört. Wenn der pH-Wert für längere Zeit in einem höheren als dem physiologischen Bereich liegt, führt dies zu einer Funktionsstörung des bakteriellen Verteidigungssystems der Haut: Eine Infektion wird begünstigt.

Um dem Einfluß alkalischer Substanzen entgegen wirken zu können, verfügt der Säureschutzmantel über sogenannte Puffersubstanzen. Diese neutralisieren alkalische Substanzen und sorgen so für die Regeneration und Stabilisierung des sauren Hautmilieus. Diese Fähigkeit wird als Alkalineutralisationsvermögen bezeichnet. Zu den alkalischen Noxen (Schadstoffe) gehören Substanzen, die in wässriger Lösung basisch ("laugenhaft", pH > 7) reagieren. So zeigt zum Beispiel eine Seifen- oder Natriumcarbonat-Lösung einen pH-Wert von bis zu 11.

ZUSAMMENFASSUNG:

Der Hydrolipidfilm setzt sich aus verschiedenen Substanzen zusammen:
  • Schweiß und Talgdrüsenfette
  • Substanzen aus dem Verhornungsprozeß
  • Die in Abstoßung befindlichen, noch haftenden Hornzellen
  • Wasser, das aus den untersten Schichten nach außen gelangt ist

Durch seinen Anteil an leicht sauren Komponenten stellt der wäßrige Anteil des Hydrolipidfilms, den Säureschutzmantel dar. Dieser erfüllt drei wichtige Funktionen:

  • Unterstützung der Bildung und Reifung epidermaler Lipide und damit Erhalt der Barrierefunktion.
  • Indirekter Schutz vor mikrobieller Besiedlung durch pathologene Keime
  • Direkter Schutz vor alkalischen Noxen (Alkalineutralisationsvermögen)



1 Odland-Bodies
2 Exozytose
3 Zelle des Stratum granulosum
4 Doppellipidmembran

Ein saures Milieu ist bedeutend für die Synthese der epidermalen Lipide. Sie setzen sich hauptsächlich aus Ceramiden (40%), freien Fettsäuren (25%) und Cholesterin (25%) zusammen. Die Synthese der besonders wichtigen Ceramide wird von einem zur Gruppe der sauren Hydrolasen zugehörigen Enzym katalysiert.

Der pH-Wert gibt die Konzentration der Wasserstoffionen in einer wässrigen Lösung an. Er kann einerseits mittels Indikatoren wie zum Beispiel Methylorange oder Phenolphtalein bestimmt werden, die auf verschiedene pH-Werte mit unterschiedlicher Färbung reagieren. Heute verwendet man planare Glaselektroden.